Diskographie

 

Zur Offenbach-Diskographie
Offenbach-Spezialisten
Schule des französischen Gesangs
Wiener Fassungen
Rara und Kurioses
Desiderate
Hoffmanns Erzählungen
Lieder und Kammermusik
Symphonische Werke


Einspielungen von Ausgaben der OEK:
 
Introduction, Prière et Boléro
Camille Thomas, Violoncello / Orchestre National de Lille / Alexandre Bloch
DG 47975205
 
Orchesterwerke
Ouvertüren zu Orphée aux Enfers, La Belle Hélène, La Fille du tambour-major, Barbe-bleue, Le Mariage aux lanternes, La Grande-Duchesse de Gérolstein, Vert-Vert & La Vie parisienne / Ouvertüre & Ballett aus Le Voyage dans la lune / Intermede & Barcarolle aus Les Contes d'Hoffmann
Orchestre de la Suisse Romande / Neeme Järvi
Chandos CHSA 5160
 
La Belle Hélène
Larmore / Han / Galliard / Rud / Loeb / Miedl / Edri / Chor der Hamburgischen Staatsoper / Philharmoniker Hamburg / Mus. Ltg.: Gerrit Prießnitz / Regie: Renaud Doucet / Ausstattung: André Barbe (Hamburg 2014)
Unitel Classica / C Major
Blu-Ray 730908 / DVD 731004
 
Fantasio
Connolly / Braun / Murray / Rae / Simmonds / Davies / Sherratt / Hall / Ring / Orchestra of the Age of Enlightenment / Opera Rara Chorus / Sir Mark Elder
Opera Rara ORC51

Vert-Vert
Welt-Ersteinspielung
Einarsdottir / Taylor / Crowe / Spence / Le Brocq / Stone / Owens / Leguerinel / Felix / Larmore / Droy / Lopez / Geoffrey Mitchell Choir / Philharmonia Orchestra / David Parry
OPERA RARA ORC41 CD

 

Cello Duos op.51–54
Raphaël Chréttien / Jérôme Pernoo
Lidi 0302194-08 (Vertrieb Harmonia Mundi)

 

La Vie parisienne
Jean-Paul Fouchécourt / Jean-Sébastien Bou / Jesus Garcia / Laurent Naouri / Marc Callahan / Maria Ricarda Wesseling / Mus. Ltg.: Sebastien Rouland / Regie: Laurent Pelly (Opéra de Lyon, 2007)
EMI/Virgin DVD 6525112

 

"Belle Nuit" – Vesselina Kasarova singt Offenbach
Ausschnitte aus La Périchole, La Grande-Duchesse de Gérolstein u.a.
Chor des Bayerischen Rundfunks / Münchner Rundfunk­orchester / Ulf Schirmer
Sony / RCA Red Seal 88697234552

 

La Périchole
Sabine Brohm / Ralf Simon / Gerd Wiemer / Bernd Könnes / Marcus Günzel / Chor und Orchester der Staatsoperette Dresden / Ernst Theis
cpo 777 493-2
 
"Folies dansantes chez Jacques Offenbach"
Quadrillen und Fantaisien von Strauss, Métra, Marx et Dufils nach La Belle Hélène, La Diva, Les Bergers, La Vie parisienne, Bagatelle, Robinson Crusoé und Belle Lurette von Jacques Offenbach (2 CD: Konzertversionen und lange Versionen, für Choreographien)
Solistes de l’Orchestre Pasdeloup / Jean Christophe Keck
Orphée 58 ORP68001/1

 

"Entre Nous" – Celebrating Offenbach
mit Ausschnitten aus: Le Voyage dans la lune / Geneviève de Brabant / La Jolie parfumeuse / Vert-Vert / Belle Lurette / La Diva / Les Bergers / La Boulangère a des écus / La Créole u.a.
Jennifer Larmore / Alastair Miles u.v.a.m. / London Philharmonic Orchestra / David Parry
Opera Rara ORR243

 

Le Financier et le Savetier
sowie Auszüge aus: Madame Favart / Les Bavards / Dragonette / L’Ile de Tulipatan / Fantasio / La Fille du tambour-major
Raphanel / Huchet / Thézan / Bialecki / Orchestre des Concerts Pasdeloup / Jean-Christophe Keck
Association des Concerts Pasdeloup / Universal Music 442 8964

 

"Offenbach Romantique"
Ouvertüre aus Orphée aux enfers / Grand concerto pour violoncelle et orchestre / Ouvertüre & Nr. 17 (Ballet et Grande valse) aus Les Fées du Rhin (Die Rheinnixen) / Ballet des Flocons de Neige aus Le Voyage dans la Lune
Jérôme Pernoo / Les Musiciens du Louvre / Marc Minkowski
DG CD 477 640-3

 

"Ballade symphonique"
Orchesterstücke
Souvenir d’Aix-les-bains sowie Vorspiele und Melodramen aus den Bühnenwerken La Vie parisienne / Les Bergers / La Périchole / Trafalgar – sur un volcan / Orphée aux enfers / Ba-Ta-Clan / Barbe-Bleue
Orchestre National de Montpellier / Jean-Christophe Keck
Universal/Accord-Euterp 476 8999

 

La Grande-Duchesse de Gérolstein
Zum ersten Mal auf CD/DVD in der vollständigen Originalversion
Lott / Piau / Beuron / Leguérinel / Huchet / Le Roux / Les Musiciens & Choeur des Musiciens du Louvre Grenoble / Marc Minkowski
EMI / Virgin CD 545734 2 / DVD 310239 9
 
Anne Sofie von Otter sings Offenbach
Arien und Szenen
"Alle Gesichter Offenbachs" entdeckten Anne Sofie von Otter und die Musiciens du Louvre unter der Leitung von Marc Minkowski in einem Konzert am 22. Dezember 2002 im Pariser Théâtre du Chatelet
Anne Sofie von Otter / Chœur des Musiciens du Louvre / Les Musiciens du Louvre / Marc Minkowski
DG 471 501-2
 
Les Fées du Rhin
Weltersteinspielung von Offenbachs wiederentdeckter großer romantischer Oper, live aus Montpellier 2002 - "unwiderstehlich" (Diapason).
Schörg / Gubisch / Beczala u.a. / Orchestra National de Montpellier / Friedemann Layer
Universal/Accord CD 472 920-2

 
Im folgengen gibt Herausgeber Jean-Christoph Keck Einblicke in die verschiedenen Offenbach-Aufführungstraditionen, soweit sie auf Tonträgern dokumentiert sind.

Im Artikel erwähnte Einspielungen:

Ba-ta-clan
Les Bavards
Orchestra Jean-François Paillard / Chœur et Orchestra Lyrique de l’O.R.T.F / Marcel Couraud
ERATO 0630 199 89 2

Orphée aux enfers
Mesplé / Sénechal u.a. / Chœurs et Orchestre du Capitole de Toulouse / Michel Plasson
EMI CDS 749 647 2

Orphée aux enfers
D’Oyly Carte Opera Company / John Owen Edwards
SONY CLASSICAL S2K 66616

La Vie parisienne (deutsch)
Rothenberger / Bakker / Dallapozza u.a. / Chor des Bayerischen Rundfunks / Münchner Rundfunkorchester / Mattes
EMI 7243 5 65360 2

Robinson Crusoé
Brecknock / Kenny u.a. / Royal Philharmonic Orchestra / Alun Francis
OPERA RARA ORC 7

Offenbach au menu
MAGUELONE MAG 350 506

Almeida
PHILIPS 422 057-2

Auswahl
EMI 0777 7 675 5 28

Anthologie
FORLANE 16766 / 16778 /
16783 / 16788

Zur Offenbach-Diskographie

Die "offizielle" Offenbach-Diskographie enthält zur Zeit etwa 20 Werke. Das ist wenig, gemessen an der Gesamtzahl eines Katalogs von mehr als 600 Titeln. Dabei sind, seit es die erste Compact Disc gibt, annähernd 200 verschiedene Aufnahmen auf den Markt gekommen! Ich habe versucht, diejenigen Einspielungen zusammenzustellen, die mir am interessantesten erscheinen, die ich am meisten schätze, und deren Anhörung ich anregen möchte, weil sie Gelegenheit bieten, die Musik Offenbachs auf die bestmögliche Weise kennenzulernen und zu genießen.

Während einiger Jahrzehnte herrschte beim ORTF (die französische Rundfunk- und Fernsehanstalt) ein Geist, der heute leider verschwunden ist. Eine Gruppe von Künstlern - Sänger ebenso wie Schauspieler - gab dort als Vertreter der alten Schule des französischen Gesangs den Ton an, unterstützt von berühmten Dirigenten mit hervorragenden Kenntnissen des Buffo-Repertoires. Diese fröhliche Truppe wurde von Lina Dachary angeführt, einer vorbildlichen Offenbach- Interpretin. Der Musik des Komponisten diente sie auf so bewundernswürdige Art, daß man ihr den Titel einer "Hortense Schneider des Rundfunks" verleihen könnte. Ihre männliche Entsprechung war Aimé Doniat. Wollte man die Offenbach-Partien auflisten, die er mit Talent und Witz aufgenommen hat, käme eine schwindelerregende Zahl heraus. Leider hatten nur wenige Titel die Ehre, auf Schallplatte herauszukommen, was auf mangelnde Initiative zurückzuführen ist, aber auch darauf, daß die tontechnischen Bedingungen von damals heute wenig zu befriedigen vermögen. Dazu kommt, daß, obwohl das Orchester des ORTF oft genug unter der Leitung von Meisterdirigenten spielte, die Aufnahmen von falschen Noten und anderen musikalischen Ungenauigkeiten nur so wimmeln, sei es wegen der beklagenswerten Qualität des Orchestermaterials, sei es wegen ungenügender Anzahl Proben. Trotzdem bleiben einige bemerkenswerte, wenn auch unvollständige Aufnahmen zu nennen: Barbe-Bleue (bei Bourg herausgekommen, dann unter verschiedenen Labels neu aufgelegt), Les Bavards, Ba-ta-clan (Erato), Madame l’Archiduc und La Chanson de Fortunio (Gaîté lyrique bzw. Musidisc). Keine dieser Einspielungen kann mit einer internationalen Starbesetzung aufwarten, dafür aber mit echtem Offenbachschen Geist.

Offenbach-Spezialisten

Es gibt einen Dirigenten, der meiner Ansicht nach Offenbachs Musik wie kaum ein anderer versteht, und das ist Richard Bonynge. Hört man sich die beiden Aufnahmen an, die er für Decca gemacht hat, kann man nur bedauern, daß er nicht mehr produzierte. Wenn auch sein Papillon (Offenbachs großes romantisches Ballett) und seine Contes d’Hoffmann unvollständig und vom musikwissenschaftlichen Standpunkt aus bis- weilen fragwürdig sein mögen, so ist das Resultat in musikalischer Hinsicht ein großes Vergnügen: transparent und leicht das Orchester, akkurat die Phrasierungen und schmissig die Tempi, detailgetreu die Wiedergabe und das alles gekrönt von einer großartigen Tontechnik. Herr Bonynge liebt Offenbachs Musik, - ein Ohrenschmaus!

Auch Michel Plasson hat für Offenbachs Musik viel getan. Man kann sicher über seine interpretatorischen Auffassungen streiten (vor allem auch darüber, daß er gewisse Tempi sehr langsam nimmt). Trotzdem ist er ein bedeutender Streiter für die französische Musik im allgemeinen und für die von Offenbach im besonderen. Ab 1970 nahm er im Auftrag von EMI Orphée aux Enfers, La Grande-Duchesse de Gérolstein, La Vie parisienne, La Périchole und La Belle Hélène auf.
Man kann bedauern, daß diese "Gesamtaufnahmen" eigentlich keine sind, - bis zum heutigen Tag wurde praktisch kein Werk Offenbachs in seiner Gesamtheit aufgenommen. Doch wußte Michel Plasson diese Buffo-Opern mit viel Achtung zu behandeln - was eben leider alles andere als selbstverständlich ist. Dank ihm haben zahlreiche Hörer verstehen können, daß Offenbach ein bedeutender Komponist der Romantik und ein würdiger Erbe seiner Vorbilder Mozart, Rossini und Auber ist, dem man mit vorzüglichen Sängern und Musikern zu dienen hat. Insofern bleibt er einer der großartigsten Vertreter im Bereich der Schallplattenaufnahmen von Offenbachs Musik.

In den vergangenen Jahren hat EMI vorzugsweise in Zusammenarbeit mit der Opéra National de Lyon erfolgreiche Produktionen aufgenommen: Les Brigands (John Eliot Gardiner) und ein weiterer Orphée aux Enfers (Marc Minkowski). Es ist unverständlich, warum in beiden Produktionen die originalen Libretti und Instrumentierungen "überarbeitet" und zahlreiche Kürzungen und andere Eingriffe vorgenommen wurden. Vom philologischen Standpunkt aus sind diese beiden Produktionen anfechtbar, dagegen finden sich aber große musikalische Momente, in denen die romantische Seele Offenbachs und sein sprühender Geist sehr wohl zu spüren sind.
Weiter sollte ein ausgezeichneter Orphée aux Enfers Beachtung finden, der bei SONY herausgekommen ist. Hier bekommt man endlich die vollständige Musik der Version von 1858 in einer sorgfältigen Interpretation zu hören, aber - auf Englisch. Diese Einspielung bleibt meiner Ansicht nach eine mustergültige Aufführung der 1858er Fassung.

Ebenfalls nicht zu vergessen eine Zusammenstellung von drei Einaktern mit dem Titel "Vive Offenbach". Es handelt sich um Mesdames de la Halle, Monsieur Choufleuri restera chez lui le… und Pomme d’Api. Obwohl der Dirigent Manuel Rosenthal, Autor der Gaîté parisienne, es nicht lassen konnte, Neuinstrumentierungen vorzunehmen und zu streichen, so ist doch dank der hohen Qualität der Sänger ein großartiges Meisterstück herausgekommen.

Schule des französischen Gesangs

Es existieren auf dem Markt noch ein paar gute "Auslesen", die auf eine von EMI und Philipps neu aufgelegte Reihe von Vinyl-Schallplatten zurückgehen. So sehr mich La Belle Hélène von Manuel Rosenthal wegen dessen unausgegorener Interpretation nie zu überzeugen vermochte, so sehr besticht La Vie Parisienne von Cariven durch viel Charme und eine gute Besetzung. Es ist allen Beteiligten, Dirigenten wie Sängern, anzumerken, daß sie ihren Offenbach gut kennen... Aber meine Vorliebe gilt dennoch sechs von EMI ausgewählten Werken: Orphée aux Enfers, La Belle Hélène, La Grande-Duchesse de Gérolstein ,La Vie Parisienne, La Périchole und La Fille du tambour-major. Sie sind ein unmittelbares Zeugnis dessen, was die Schule des französischen Gesangs war: makellose Diktion, charakteristischer heller Ton, Geschlossenheit des Ensembles von Sängern und Dirigenten. Heutzutage gibt man dem sogenannten "internationalen Ton" den Vorzug. Dieser ist aus der italienischen Schule hervorgegangen und ganz und gar ästhetisch, eignet sich für die Interpretation von Offenbachs Musik aber leider überhaupt nicht, denn diese soll vollkommen eingängig und von einem natürlich durchsichtigen Klang sein. Es bleibt anzumerken, daß die verschiedenen Dirigenten, die diese Aufnahmen geleitet haben, in einer festen Theatertradition stehen und ausgezeichnete Kenntnisse des Repertoires besitzen, weshalb das Ergebnis vollkommen stimmig ist.

Wiener Fassungen

Parallel zu diesen französischen Produktionen bietet EMI den Interessierten im deutschsprachigen Raum eine Reihe Gesamtaufnahmen von Orphée aux Enfers, La Belle Hélène, La Vie Parisienne sowie La Grande-Duchesse de Gérolstein an, die deshalb besonders interessant sind, weil sie uns die Wiener Fassungen der jeweiligen Werke mit ihren von Offenbach selber vorgenommenen Veränderungen und Erweiterungen im Orchester erschließen. Im allgemeinen handelt es sich um sehr gut interpretierte Aufnahmen mit einem bemerkenswert schillernden Klang, bedauerlich bleiben aber eine (glücklicherweise nicht durchgehende) Schwerfälligkeit in den Tempi und ein eher deutscher denn pariserischer musikalischer Geist. Weil manche Dirigenten instrumentalen Reichtum mit Schwerfälligkeit gleichgesetzt haben, hat man Offenbachs Wiener Instrumentierungen lange Zeit zu Unrecht für zu massig gehalten.

Rara und Kurioses

Daneben verdankt das interessierte Publikum der Firma Opera Rara qualitativ hochstehende Aufnahmen von zwei sehr selten zu hörenden Stücken. Robinson Crusoé (eine im Jahre 1867 komponierte Komische Oper) kam als Gesamtaufnahme in englischer Sprache heraus. Bei Christopher Colombus handelt es sich um eine von Dom White geschickt gemachte Montage, wobei viele großartige aber unbekannte Musik aus Offenbachs Feder aufgenommen wurde, ohne daß dabei der musikalische und dramaturgische Geist verloren ging.

Unsere Übersicht über die Diskographie der Bühnenwerke Offenbachs wäre unvollständig, wenn wir nicht von einigen Archivaufnahmen sprechen würden, die kürzlich bei Forlane und ARB herausgekommen sind. Von Bedeutung ist in erster Linie eine "Offenbach-Anthologie" von Forlane, die auf vier CDs eine Auswahl der berühmtesten Stücke aus der Sammlung des verdienstvollen Laurent Fraison vereint. Da es sich um sehr alte Aufnahmen handelt, in denen zum Teil die Sänger der Uraufführung der letzten Stücke Offenbachs zu hören sind, kann man sich eine gute Vorstellung davon machen, wie damals diese Musik gesungen wurde. Sie stellen also ein Zeugnis ersten Ranges dar. Von ARB gibt es eine Schallplatte aus dem Jahre 1931 mit dem Titel "Au cœur de l’Operette, la fête", die zahlreiche Ausschnitte aus La Vie Parisienne versammelt.

Desiderate

Wie man feststellen kann, hat sich die Branche vornehmlich für die "erfolgreichen" Werke interessiert und dabei eigentliche Meisterwerke wie Fantasio, Geneviève de Brabant, La Princesse de Trébizonde oder Maître Péronilla vernachlässigt. Zum Glück besitzen die Archive der französischen und deutschen Rundfunkanstalten Aufnahmen davon, für die Melomanen bleiben sie natürlich schwer erreichbar.
Es ist bedauerlich, daß viele alte Schallplattenaufnahmen noch immer nicht als CDs erschienen sind. Immerhin soll die Herausgabe der großartigen Périchole von Igor Markevitch in einer Gesamtaufnahme sowie Jean-Pierre Martys La Belle Hélène unmittelbar bevorstehen. Aber wie lange wird man noch auf die berühmte Trilogie von Leibowitz (Orphée aux Enfers, La Belle Hélène, La Grande-Duchesse de Gérolstein), auf Pinchas Steinbergs Wiener Version der Brigands oder auf Alain Lombards La Belle Hélène warten müssen? Es wäre wunderbar, wenn auch die großen Firmen sich für die vielen Werke Offenbachs interessierten, die nach wie vor zu Unrecht ein Schattendasein führen.

Hoffmanns Erzählungen

Über Les Contes d’Hoffmann detailliert zu sprechen, ist in diesem Rahmen nicht möglich. Es liegen viele Produktionen von unterschiedlicher Qualität vor, wobei die besten Aufnahmen erstaunlicherweise noch nicht die Ehre hatten, als CDs herauszukommen. Ich ziehe die beiden mit großartigen Sängerensembles aufwartenden von André Cluytens von 1948 und 1965 (beide EMI) vor, denen die traditionelle Choudens-Ausgabe zugrunde liegt.

Lieder und Kammermusik

Wenn man weiß, wie viel Kammermusik Offenbach geschrieben hat, so überrascht der bescheidene Umfang der derzeit erhältlichen Aufnahmen. Einzig die Six Fables de La Fontaine wurden von EMI berücksichtigt (François Le Roux, Bariton; Jeff Cohen, Klavier). Was die Stücke für Violoncello betrifft, so sind ein paar Duos zu finden, die von Etienne Peclard und Roland Pidoux (bei Harmonia Mundi) bzw. von Philippe Muller und Alain Meunier (bei Arion) aufgenommen wurden. Außerdem gibt es als Konzertmitschnitte ein paar entzückende Stücke wie Les Larmes de Jacqueline, Harmonies du Soir, Danse Bohémienne, Introduction et valse mélancolique usw.

Symphonische Werke

Das selbe gilt für die symphonische Musik und die Solokonzerte. Da das vorhandene Notenmaterial wenig zufriedenstellend ist, beziehungsweise schlechterdings nicht vorhanden, gab es wenig Anreiz zur Aufnahme dieser Stücke. Von den Empfehlungen, die wir im folgenden geben werden, sind die wenigsten gute Beispiele für editorische Seriosität. Einige weisen Striche, Bearbeitungen und Neuinstrumentierungen im Überfluß auf. Folgenden Werken ließe sich auf Grundlage zuverlässiger Ausgaben sicher noch mehr Reiz abgewinnen, als sie es auf diesen Aufnahmen bereits tun:
Musette pour violoncelle et orchestre (Fidler - RCA), Offenbach Waltz (American Eagle Waltz) pour cornet à pistons et grand orchestre, Souvenir d’Aix-les-Bains, Schüler-Polka, Ouverture à grand orchestre, Concertino pour violoncelle (Kunzel - RCA). Was das Concerto militaire pour violoncelle et orchestre betrifft, so findet man zur Zeit eine ausgesprochen gut interpretierte, in Fragen der Authentizität und Vollständigkeit aber ebenfalls fragliche Version mit Ofra Harnoy und Antonio de Almeida (RCA).

Schließlich wollen wir daran erinnern, daß es zahlreiche Einspielungen von Ouvertüren und Konzerten gibt. Zwei Aufnahmen heben sich durch ihre hervorragende Qualität von den anderen ab: "Ouvertures et Ballets" (Almeida - Philips) sowie "Offenbach au menu" (Dibbern - Maguelone)

© Jean-Christophe Keck. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Autors unzulässig.


NEUERSCHEINUNG


Fantasio
Klavierauszug (frz.)
979-0-2025-3472-4
236 S., kart.